Irgendwann im Leben passiert etwas Merkwürdiges. Nicht laut und nicht dramatisch, sondern still.
Du hast vieles erreicht:
- Die Kinder gehen ihren eigenen Weg.
- Dein Beruf ist etabliert.
- Dein Alltag funktioniert.
- Deine Termine sind voll.
Und trotzdem sitzt du manchmal da und spürst diese leise Irritation in dir. Nicht unzufrieden, aber auch nicht wirklich erfüllt.
Und dann taucht sie auf, diese eine Frage, die sich nicht mehr wegdrücken lässt:
Ist das jetzt mein Leben oder ist das nur mein Alltag?
Ich erlebe in meiner Arbeit als BewusstSEIN Coach seit vielen Jahren, dass genau diese Phase bei sehr vielen Menschen beginnt, wenn äußerlich eigentlich alles in Ordnung ist. Nicht im großen Drama. Nicht nach einer Katastrophe. Sondern mitten im gut funktionierenden Leben.
Und genau das macht diese innere Unruhe oft so schwer greifbar. Davon handelt dieser Artikel.
Viele Menschen beschreiben mir, dass sie sich erschöpft fühlen, obwohl sie objektiv gar nicht mehr leisten als früher. Andere sprechen von einer inneren Leere, können sie aber nicht erklären. Wieder andere sagen schlicht, dass ihnen irgendetwas fehlt, ohne zu wissen, was es eigentlich ist.
Viktor Frankl hat dieses Phänomen bereits vor vielen Jahrzehnten sehr klar benannt. Er sprach von einer existenziellen Frustration, von einer inneren Erschöpfung, die entsteht, wenn der Mensch keinen tragfähigen Sinn mehr erlebt.
Und ja, das ist kein Zufall, dass dieses Thema vor allem in einer Gesellschaft auftaucht, in der die Grundbedürfnisse längst gesichert sind. Wenn Überleben nicht mehr im Vordergrund steht, meldet sich etwas anderes.
Dein Bedürfnis nach innerer Stimmigkeit, nach Bedeutung und echtem Erleben.
Du kannst von Menschen umgeben sein und dich trotzdem einsam fühlen. Nicht, weil niemand da ist, sondern weil du selbst innerlich nicht mehr richtig angebunden bist.
Wenn ich Menschen frage, was ihrem Leben Sinn gibt, höre ich sehr häufig Antworten wie:
- meine Kinder
- meine Partnerin oder mein Partner
- meine Familie
- mein Beruf
- meine Verantwortung für andere
Das ist zutiefst menschlich. Und es ist auch wertvoll. Aber hier kommt eine Wahrheit, die unbequem ist und die im Coaching oft zu wenig ausgesprochen wird:
Wenn dein Sinn ausschließlich an andere Menschen oder an äußere Rollen gebunden ist, wird er instabil. Denn Beziehungen verändern sich. Kinder werden selbstständig. Partnerschaften gehen manchmal zu Ende. Berufe verlieren ihre Bedeutung. Gesundheit ist nicht selbstverständlich.
Und dann kann es passieren, dass dein inneres Fundament plötzlich wegbricht, weil dein gesamtes Warum an etwas gekoppelt war, das du nicht in der Hand hast.
Viele Sinnkrisen entstehen nicht, weil jemand zu wenig hat, sondern weil das, was bisher getragen hat, langsam nicht mehr trägt. Das fühlt sich nicht philosophisch an. Das fühlt sich existenziell an.
Ich sage meinen Klientinnen und Klienten sehr klar, und ich sage es auch dir ganz direkt: Mit dir stimmt alles, wenn du dich nach dem Sinn deines Lebens fragst.
Du stehst an einem inneren Übergang.
Frankl selbst hat betont, dass das Leiden am Sinn keine Krankheit ist, sondern eine Form innerer Müdigkeit. Eine Müdigkeit davon, das eigene Leben nur noch zu organisieren und zu verwalten.
Sinn entsteht nicht durch noch mehr Ziele.
Nicht durch noch mehr Selbstoptimierung.
Und auch nicht durch positive Gedanken allein.
Sinn entsteht dort, wo du beginnst, dich innerlich zu positionieren:
- Durch das, was du tust und wofür du stehst.
- Durch das, was du bewusst erlebst.
- Durch Begegnung.
- Durch Liebe.
- Durch die Art, wie du mit Verlust, Begrenzung und Endlichkeit umgehst.
Gerade dieser letzte Punkt wird im mentalen Training oft ausgeklammert. Dabei liegt genau hier eine enorme Reifung.
Ich arbeite sehr gern mit dem Bild einer inneren Lebensreise. Du bist nicht einfach nur Passagierin oder Passagier auf deinem Lebensschiff. Die entscheidende Frage lautet nicht, was dir alles passiert ist.
Die entscheidende Frage lautet, wer in dir das Steuer hält.
Viele Menschen lassen sich über Jahre hinweg von äußeren Umständen lenken. Von Erwartungen, familiären Mustern, gesellschaftlichen Bildern und von finanziellen Zwängen.
Sie wundern sich irgendwann, warum sie zwar beschäftigt sind, aber innerlich keine Richtung mehr spüren.
Auch das erlebe ich sehr häufig: Ein permanenter innerer und äußerer Stress, ein ständiges Getriebensein, ein Gefühl, nie wirklich fertig zu werden.
Diese Rastlosigkeit ist oft kein Zeitproblem. Sie ist ein Vermeidungsmechanismus. Solange du rennst, musst du nicht stehen bleiben. Und solange du nicht stehen bleibst, musst du dich nicht fragen, ob das hier wirklich dein Weg ist.
Wenn Menschen mit einer Sinnkrise zu mir kommen, bekommen sie von mir keine schnellen Antworten und keine Motivationssätze.
Ich gebe ihnen vier einfache Fragen mit, und zwar für vier Wochen, jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen, noch im Bett, ohne Handy, ohne Ablenkung.
- Wer bin ich wirklich, jenseits meiner Rollen
- Wo stehe ich in meinem Leben, innerlich, nicht nur organisatorisch
- Warum bin ich genau hier gelandet
- Was ist meine innere Absicht für mein weiteres Leben
Diese Fragen lassen sich nicht logisch lösen. Sie wollen gefühlt werden. Und ja, das ist manchmal unbequem. Manche Menschen reagieren wütend, andere ratlos, manche erschrocken. Und manche kommen plötzlich mit einer Klarheit zurück, die sie selbst überrascht.
Genau deshalb wirken diese Fragen.
Ich teile hier bewusst sehr persönlich und sehr reduziert meine eigene innere Antwort, nicht als Vorlage, sondern als Orientierung, wie tief diese Fragen gemeint sind.
- Ich erlebe mich als Teil eines größeren Zusammenhangs.
- In einem Körper, der mir ermöglicht, Erfahrungen zu machen.
- In einem Leben, in dem ich etwas zum Ausdruck bringen möchte. Nicht, um gebraucht zu werden, sondern um stimmig zu sein.
- Nicht höher, nicht besser, einfach wahr für mich.
Irgendwann meldet sich dein Körper. Er ist dein Spiegel und verdeutlicht dir deine Energie. Das ist kein persönliches Versagen, sondern Biologie.
Trotzdem erleben viele Menschen genau diese Phase als bedrohlicher als alles zuvor.
Warum?
Weil hier drei große gesellschaftliche Versprechen ins Wanken geraten.
- Leistungsfähigkeit
- Schönheit
- Verfügbarkeit
Der Jugendkult unserer Zeit macht es uns nicht leichter, diese Veränderung anzunehmen. Dabei liegt genau in dieser Lebensphase eine große Chance.
Du darfst beginnen, dein Leben nicht mehr nach fremden Maßstäben auszurichten. Nicht alles ist noch offen. Aber sehr vieles ist neu wählbar.
Ich sage es dir ganz nüchtern und ohne Coaching Glanz: Sinn entsteht nicht durch noch ein Ziel auf deiner To do Liste.
Sinn entsteht durch innere Stimmigkeit.
- Durch bewusstes Dasein statt Dauerablenkung.
- Durch echte Beziehungen statt Rollenbeziehungen.
- Durch Selbstverantwortung statt Schuldzuweisungen.
- Durch Loslassen von dem, was nicht mehr zu dir passt.
- Und durch eine klare Haltung dir selbst gegenüber.
Dazu gehört auch, dich nicht mehr für alles verantwortlich zu fühlen. Und dich selbst endlich ernst zu nehmen. Das ist nicht egoistisch, sondern erwachsen.
Als BewusstSEIN Coach und Ausbilderin erlebe ich täglich, wie kraftvoll mentale Arbeit ist, wenn sie nicht nur Leistungsoptimierung betreibt, sondern innere Orientierung ermöglicht. Sinn lässt sich nicht trainieren wie ein Muskel.
Aber du kannst lernen, wieder Zugang zu deinem inneren Kompass zu bekommen. Und manchmal ist genau das der eigentliche Wendepunkt. Nicht noch mehr Selbstverbesserung. Sondern Selbstbegegnung.
Denn ganz ehrlich:
Du bist nicht hier, um dein Leben möglichst reibungslos zu organisieren. Du bist hier, um es bewusst zu leben.









