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Rhetorik

Wahl der Waffen

Was tun, wenn verbale Attacken unter die Gürtellinie gehen?

Grundsätzlich verhalten wir uns in Gesprächen natürlich immer annehmend, akzeptierend, empathisch, wertschätzend, aber Formulierungen wie „Rededuell, Wortgefecht, Redeschlacht“, lassen den Schluß zu, dass es auch Situationen geben kann, in denen wir im verbalen Schlagabtausch härtere Bandagen anlegen müssen. Der entscheidende Begriff in diesem Zusammenhang ist die „unfaire Dialektik“, und zwar nicht der Einsatz, sondern das Erkennen derselben. Denn nur, wer in der Lage ist, zu erkennen, welche Waffen der Gegner einsetzt, hat eine Chance, das Duell zu gewinnen.

Hier ein kleiner Auszug aus dem Arsenal der unfairen Dialektik:

  • Ad-Personam-Taktik: nicht die Sache, sondern die Person angreifen.
  • Unterbrechungstaktik: mit irgendwelchen Floskeln den Redefluß des Gesprächspartners unterbrechen („Sie wiederholen sich...“) oder einfach in das Satzende hineinstarten.
  • Laientaktik: „ ... wenn sie mir mal das genauer erklären könnten!“
  • Wissenschaftstaktik: absichtliches Falschzitieren aus wissenschaftlichen Studien.
  • Zuordnungs-Taktik: den Gegner einer bestimmten Personengruppe zuordnen und unfair verallgemeinern („ ... das sind ja Nazi-Methoden!“)
  • Kompetenz-Taktik: „Ihre Erfahrung ist einfach zu gering!“
  • Fremdwort-Taktik: der Gegner wird als unqualifiziert oder unwissend hingestellt.
  • Entweder-oder-Taktik: dem Gegner werden Scheinalternativen aufgebaut („ ... lieber rot als tot!“)
  • Nullsatz-Taktik: die Kunst etwas zu sagen, ohne etwas zu sagen. Und das lässt sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise anstellen: nicht über Inhalte, sondern über Randthemen sprechen; Thema einengen auf einen speziellen Gesichtspunkt; Thema ausweiten und generalisieren; Spontaneindruck geben; über Verfahren und Methoden sprechen; den Gegner mit Scheininformationen füttern oder ihn einfach nur gnadenlos vollreden.
  • Eche-Taktik: ein emotionsbesetztes Wort des letzten Satzes aufgreifen („Das macht mich traurig.“ – „Traurig, das darf ja wohl nicht wahr sein!“)
  • Gegenfrage-Taktik: wozu antworten, wenn man nichts zu sagen hat, oder die Beantwortung der Frage klare Fakten schafft? A Fragt: „Liebst du mich wirklich?“ Wenn B hier mit einem vorschnellen „Ja“ antwortet, riskiert er/sie die nächste Frage „Und weshalb willst Du mich dann nicht endlich heiraten?“ Folgende Gegenfragetechniken wirken hier vorbeugend:
  • Die offene Frage (alle W-Fragen). Die Antwort könnte lapidar lauten: „Warum fragst Du?“
  • Die geschlossene Gegenfrage ( kann mit ja oder nein beantwortet werden). Die Antwort: „Fühlst du das nicht?“
  • Die Suggestiv-Frage: „Meinst du nicht auch, dass meine Taten dich mehr überzeugen werden als ein paar so einfach dahingesagte Worte?“
  • Die Alternativfrage: „Willst Du, dass ich dich jetzt küsse, oder soll das eine Einladung zu mehr sein?“
  • Spiegel-Taktik: idealerweise als therapeutische Technik zum verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte genutzt, kann das Spiegeln jedoch auch unfairerweise genutzt werden, um vom eigentlichen Thema oder persönlichen Unzulänglichkeiten abzulenken.
  • Der Emotionsspiegel: das klassische Spiegeln. Die negativen Gefühle, die beim Gesprächspartner zu beobachten sind, werden in Worte gegossen („ ... das macht dich sehr wütend.“)
  • Der Gewichtungsspiegel: es wird maßlos über- oder untertrieben. Untertreibung: „Sie können mit ihren Kollegen nicht im Team zusammenarbeiten!“ – „Sie finden also, dass es in unserem Team gelegentlich Meinungsverschiedenheiten gibt.“ Übertreibung (kann das schlechte Gewissen des Gegenüber aktivieren): A: „Du lässt doch alles nur einfach so laufen.“ – B: „Du findest also, dass ich mich noch nie um irgend etwas gekümmert habe.“
  • Zeitspiegel: A: „Da ist Ihnen ein Fehler unterlaufen.“ – B: „Sie möchten, dass wir das zukünftig anders machen.“
  • Umdefinieren: einfach dem anderen das Wort im Munde verdrehen. Es wird ein Teil der Aussage des Gegenübers wiederholt und gleichzeitig uminterpretiert. A: „Grins nicht so blöd!“ – B: „Wenn du unter blöd grinsen verstehst, dass ich auch in schwierigen Situationen meinen Humor nicht so schnell verliere, dann hast Du recht.

Einige der vorgenannten Techniken sind unfair, andere regen eher zum Schmunzeln an. Wichtig ist nur, zu wissen, was wirklich in einem Gespräch abläuft. Nur dann ist es möglich am längeren Hebel zu sitzen. Schlagfertigkeit ist weder ein Segen, noch Geheimwissen, sondern eine Fähigkeit, die Jede/r erlernen kann.

(Andreas Zimmermann)